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Klassische Musik und Oper von Classissima

Felix Mendelssohn

Montag 22. Mai 2017


nmz - neue musikzeitung

16. Mai

Preis der Deutschen Schallplattenkritik: die Bestenliste 2/2017 ist erschienen

nmz - neue musikzeitung Der Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK e.V.) hat seine zweite Vierteljahresliste 2017 veröffentlicht. Insgesamt haben diesmal 155 Juroren in 32 Kategorien die Neuerscheinungen der Ton- und Bildtonträgern des letzten Quartals gesichtet und bewertet. 256 Titel waren für die Longlist nominiert. 27 Titel daraus setzten sich durch. DVD-Produktionen Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion BWV 245. Maximilian Schmitt, Tareq Nazmi, Christina Landshamer, Anke Vondung, Tilman Lichdi, Krešimir Stražanac, Chor des Bayerischen Rundfunks, Concerto Köln, Peter Dijkstra. BR Klassik 900 515 (Naxos) CD-Produktionen Orchester & Konzert Felix Mendelssohn Bartholdy: Symphonien Nr.1 c-moll op.11 & Nr.3 a-moll op.56 („Schottische”). NDR Radiophilharmonie, Andrew Manze. Pentatone PTC 5186 595 (Naxos) Weiterlesen

nmz - KIZ-Nachrichten

16. Mai

Preis der Deutschen Schallplattenkritik: die Bestenliste 2/2017 ist erschienen

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK e.V.) hat seine zweite Vierteljahresliste 2017 veröffentlicht. Insgesamt haben diesmal 155 Juroren in 32 Kategorien die Neuerscheinungen der Ton- und Bildtonträgern des letzten Quartals gesichtet und bewertet. 256 Titel waren für die Longlist nominiert. 27 Titel daraus setzten sich durch. DVD-Produktionen Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion BWV 245. Maximilian Schmitt, Tareq Nazmi, Christina Landshamer, Anke Vondung, Tilman Lichdi, Krešimir Stražanac, Chor des Bayerischen Rundfunks, Concerto Köln, Peter Dijkstra. BR Klassik 900 515 (Naxos) CD-Produktionen Orchester & Konzert Felix Mendelssohn Bartholdy: Symphonien Nr.1 c-moll op.11 & Nr.3 a-moll op.56 („Schottische”). NDR Radiophilharmonie, Andrew Manze. Pentatone PTC 5186 595 (Naxos) Weiterlesen




Crescendo

15. Mai

Der große Verkannte: Zum 275. Geburtstag von P.D.Q. Bach

Dass Johann Sebastian Bach die Welt nicht nur mit einem eigenen musikalischen Lebenswerk allerhöchsten Niveaus bereichert, sondern auch noch mehrere musikalisch äußerst begabte Nachkommen in eben diese Welt gesetzt hat, ist hinreichend bekannt: C.P.E., J.C.F., W.F. und J.C. Bach sind mit ihrer Musik wie eh und je auf den Konzertbühnen präsent, doch keiner von ihnen war eine künstlerisch so eigenständige und originelle Persönlichkeit wie jener letzte am 1. April 1742 in Leipzig geborene Bach-Sohn P.D.Q., den die Familie Bach Zeit seines Lebens – und darüber hinaus – zu verleugnen suchte (etwa durch die Umbettung der sterblichen Überreste aus einem prunkvollen, in den 1840er Jahren unter der Ägide von Felix Mendelssohn abgerissenen Mausoleum in ein unbezeichnetes Armengrab) und dessen Musik erst im Jahr 1966 anlässlich eines ersten Konzerts mit seinen Werken in den USA einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Dem US-amerikanischen Musikologen und P.D.Q. Bach-Biographen Prof. Peter Schickele vom „Department for Musical Pathology“ der University of Southern North Dakota at Hoople (The definitive Biography of P.D.Q. Bach bei Random House, dt. bei Schott), der in den 1950er Jahren durch die Entdeckung der legendären Sanka-Kantate die Existenz P.D.Q. Bachs erstmals musikarchäologisch belegen konnte, ist es zu verdanken, dass bis heute weit über hundert Werke dieses letzten Bach-Sohnes dem Vergessen entrissen wurden: Im Werkkatalog bei der Theodore Presser Company, über die auch das Notenmaterial zu beziehen ist, finden sich neben Orchester- und Kammermusik (z.B. The Musical Sacrifice, S.=Schickele-Nr. 50% off) auch Opern, Oratorien, Kantaten und Liederzyklen (wie etwa die 4 Next-to-last-Songs nach Texten des in der seltsamen Mischsprache Doinglish schreibenden Dichters Heinrich Heini, S. Ω-1). Mittlerweile wird das Werk P.D.Q. Bachs – wenn auch nicht ganz so häufig wie wünschenswert – weltweit bei den verschiedensten Gelegenheiten aufgeführt, wobei die berühmte Konzertreihe zum Jahreswechsel, in deren Rahmen Professor Schickele seine jeweils neuesten Entdeckungen dem faszinierten Auditorium präsentierte, hier Maßstäbe gesetzt hat und viele Jahrzehnte lang ein Highlight des New Yorker Konzertlebens gewesen ist: Der Professor, der übrigens auch selbst komponiert (z.B. eine Chaconne a son Gout und eine Unbegun Symphony), war dabei so engagiert bei der Sache, dass er sich üblicherweise zu Beginn der Konzerte an einem Seil vom Balkon im Zuschauerraum aus auf die Bühne schwang – bis seine Versicherung dann im fortgeschrittenen Alter nicht mehr für das Risiko bürgen wollte. Einzig in unseren Breiten ist der Ausnahmekomponist P.D.Q. Bach bislang weitgehend unbekannt geblieben (abgesehen von der MGG, die ihn immerhin eines Artikels für würdig befindet). Selbst in seiner Geburtsstadt Leipzig erinnert nichts an ihn und sein reiches musikalisches Vermächtnis. Dabei ist eine Neuentdeckung dieses nicht nur zu Lebzeiten Verkannten, dem zahlreiche Kapazitäten des Musiklebens jegliches Kompositionstalent abzusprechen suchten (Robert Schumann in der NZfM über Johannes Brahms: „Hut ab, ihr Herren: Ein Genie!“, und über P.D.Q. Bach: „Die Hüte wieder auf, meine Herren: Ein Idiot!“), der aber tatsächlich seiner Zeit in vielen Dingen einfach nur um Längen voraus war, überaus lohnend: Aus der Zeit, in der P.D.Q. Bach mit seinem „Fahrenden Medicin-Theater“ durch die Lande tingelte, stammen beispielsweise die ersten Werbesongs der Musikgeschichte (Diverse Ayres on Sundrie Notions, S. 99 44/100), die im Stil echter Barockarien so alltägliche Dinge wie Schmerzmittel, Tabak oder Präparate gegen Spülhände anpriesen und P.D.Q. so ein nicht unbeträchtliches Einkommen ermöglichten. Und in der Kurzoper A little Nightmare Music (S. 35) verarbeitete er quasi prä-freudianisch einen Alptraum, in dem er sich selbst als den Schuldigen an Mozarts frühem Tod imaginierte, zu einem von Mozarts Eine kleine Nachtmusik (KV 525) unterlegten musikalischen Schlagabtausch zwischen dem Komponisten Antonio Salieri und dem Autor Peter Schläfer, der jenen beschuldigt, auf Mozart geradezu tödlich eifersüchtig zu sein (und der, wie seine Kostümierung erkennen lässt, mysteriöserweise aus einem zukünftigen Jahrhundert zu kommen scheint). Das ist schlicht Avantgarde, ebenso wie der Einsatz eines bellenden Hundes in einem Opernlibretto (The stoned Guest) und wie das Komponieren für Snackautomaten (Concerto for Horn and Hardart), Fahrräder (Pervertimento for Bagpipes, Bicycle and Balloons), Dampforgeln (Sonata da Circo, Toot-Suite) und so umwerfend ungewöhnliche Instrumente wie die linkshändige Leitungsflöte und den Doppelrohrblattzugnotenständer (Sinfonia Concertante). Es sei noch bemerkt, dass einige der größten Komponisten, die P.D.Q. Bach nachfolgten, sein musikalisches Talent durchaus erkannten und sich eifrig bei seinem thematischen Material bedienten – da sein Werk da bereits dem totalen Vergessen anheimgefallen war, konnten sie dies ja auch ganz ungeniert tun: Neben Antonín Dvořák (am Beginn des 4. Satzes der 9. Symphonie, op. 95) schlachtete etwa auch Peter Tschaikowsky P.D.Q.s grandiose 1712 Overture (S. 1712) – in der Bachs Sohn ganz nebenbei das große Familiengeheimnis lüftet, was denn sein Vater Johann Sebastian in diesem von der Bachforschung ansonsten ja doch recht stiefmütterlich behandelten Jahr so getrieben hat – ziemlich dreist für seine 1812 Overture (op. 49) aus – freilich ohne dabei die Originalität des Programms des P.D.Q. Bachs’schen Stückes zu erreichen, das hochinteressante musikhistorische Vorgänge im Spannungsfeld zwischen Alter und Neuer Welt zum Inhalt hat und das im Booklet der entsprechenden CD nachzulesen ist. Dieses Spannungsfeld spielt im Übrigen im Werk P.D.Q. Bachs des Öfteren eine Rolle (z.B. im Oratorium Oedipus Tex und in der Kantate Blaues Gras), was auch erklären mag, dass einige seiner Melodien auf den verschlungenen Wegen der Musikgeschichte Eingang in die amerikanische Popularmusik gefunden haben: So stammen etwa die Themen der im öffentlichen Bewusstsein uramerikanischen Songs „Yankee Doodle“ und „Pop goes the weasel“ (statt dieser Melodie verwendete Tschaikowsky in seiner Komposition dann die der „Marseillaise“) direkt aus der 1712 Overture, und im Short-tempered Clavier (S. easy as 3.14159265) wird in der Nr. 12 in B-Dur das berühmt-berüchtigte B-A-C-H-Motiv mit einer Melodie verknüpft, die heute als „For he’s a jolly good Fellow“ weltbekannt ist. Bisweilen ist regelrechte Detektivarbeit vonnöten, um all diese Einflüsse der P.D.Q. Bach’schen Musik zu identifizieren, aus musikhistorischer Sicht ist das Ganze jedoch eine wahre Goldgrube, die noch zahlreiche und bahnbrechende Erkenntnisse zutage zu fördern verspricht. Schlüsselwerke wie etwa das Oratorium The Seasonings (S.1/2 tsp.) mit dem brillanten Choral „To Curry Favor“, die Missa Hilarious (S. N2O), das fulminante Streichquartett „The Moose“ (S. Y2K) und die bereits erwähnte Kantate Blaues Gras (übrigens das einzige Vokalwerk P.D.Q.s, das mit dem deutschen Originaltext überliefert ist, die anderen Texte liegen lediglich in einer englischen Übersetzung eines Zechkumpans des Komponisten vor) sind auf mittlerweile 17 CDs (bei Vanguard und Telarc) und einer DVD (die abendfüllende Oper The Abduction of Figaro) eingespielt worden. Die Tonträger sind sämtlich vorzüglich zusammengestellt, die beigegebenen Booklets und Conferancen liefern beträchtlichen informativen Mehrwert, der bisweilen weit über den Informationsstand der ja bereits in den 1970er Jahren erschienenen Biographie hinausgeht. Auch in den Tiefen des Internet gibt es bezüglich des „Minimeisters von Wein-am-Rhein“ viel zu entdecken, beispielsweise eine unvergessliche Aufführung von P.D.Q. Bachs Konzertshtick for two Violins mit Orchestra (S. 2+), bei der der Geigenvirtuose Itzhak Perlman zusammen mit dem auf diesem Instrument nicht ganz so versierten Professor Schickele zu erleben ist, der für den verhinderten zweiten Solisten einspringen muss. Wer sich übrigens darüber wundert, dass der P.D.Q. Bach-Entdecker Professor Schickele ebenso heißt und aussieht wie sein guter Freund, der äußerst vielseitige New Yorker Komponist Peter Schickele (Werkkatalog ebenfalls bei Theodore Presser), der wird vermutlich auch ob der Tatsache irritiert sein, dass die Würdigung eines hierzulande geradezu sträflich vernachlässigten Heroen der Musikgeschichte in einem Heft mit dem Themenschwerpunkt „Musik und Humor“ erscheint. Ja, genau betrachtet, ist das eigentlich schon wieder ein Skandalon ersten Ranges, und es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis der letzte Sohn des großen Johann Sebastian Bach bei uns die Anerkennung erfährt, die ihm aufgrund seiner Verdienste zweifellos zusteht. Nun ja, die Mühlen der Geschichte mahlen ja bekanntlich langsam … Alwin Müller-Arnke

Crescendo

9. Mai

Der schwere Weg der jungen Sänger - Beobachtungen bei einem Bachelor-Konzert

Unser Kolumnist war neulich beim Bachelor-Konzert des jungen Baritons Äneas Hmmm. Sicher, dessen Stimme war spannend. Spektakulär aber war auch der Smalltalk in der Pause. Von Axel Brüggemann Alles ist etwas schlicht, und es riecht ein bisschen nach Bohnerwachs in der Bremer Musikhochschule. Eine kleine Bühne, einige Stuhlreihen. Aber immerhin: Es werden ständig neue Sitze in den Saal getragen, ein Teil des Publikums nimmt auf grauen Tischen platz, die hinter den Reihen an der Wand stehen. Derartiger Andrang ist bei einem Bachelor-Konzert nicht alltäglich. Aber heute schließt der Bariton Äneas Humm die Zwischenetappe seines Studiums in Bremen ab. Nach den Sommerferien wird er die Hansestadt verlassen und an die renommierte Juilliard-School nach New York wechseln. Der Termin seines Abschlusskonzertes hat sich wie ein Stille-Post-Spiel in der Stadt herumgesprochen. Und tatsächlich hat sich das Who is Who der Bremer Musikszene ein Stelldichein gegeben: Der Chefdramaturg des philharmonischen Orchesters ist da, der Intendant des Bremer Musikfestes, einige Stadtpolitiker, allerhand Professoren, die Familie aus der Schweiz – und natürlich zahlreiche Kommilitonen. In den Gängen der Musikhochschule findet vor dem Auftritt und in der Pause das etwas amüsante „Ich habe ihn als erster entdeckt“-Spiel statt. Die Wahrheit ist allerdings, dass der Schweizer Sänger seiner Lehrerin Krisztina Laki nach Bremen gefolgt ist, und dass er die Stadt nun wieder verlässt – ebenfalls für eine Lehrerin, für Edith Wiens in New York. Die Möglichkeiten, die ihm das Bremer Theater gab, waren auch eher bescheiden. Humm sang allerdings bei einigen philharmonischen Konzerten, trat in Osnabrück auf, im Bremer Umland und immer wieder in seiner Heimat, in der Schweiz. Es soll in diesem Text allerdings weniger um die Geschichte des Baritons Äneas Humm gehen. Vielmehr geht es darum, wie Sänger- oder Musikerkarrieren heute verlaufen. Was sich verändert hat. Und um die Frage, ob all das immer alles optimal ist. Wie entdecken wir Stimmen? Das Bachelor-Programm, das Humm sich ausgesucht hat, ist – um es neutral auszudrücken – anspruchsvoll: Lieder von Mendelssohn, Schumann, Berg und Ullmann. Bereits in den Pausen wird nur in Superlativen geredet. Neben dem „Entdecker“-Spiel verraten einige Anwesende nun auch ihre Pläne, die sie mit „diesem jungen Genie“, mit dieser „Stimme, die in einer eigenen Liga spielt“, mit „diesem Wunderknaben“ haben. Es sind große Pläne: Einer will den Sänger an die Mailänder Scala vermitteln, ein anderer ihn in großen Opern auftreten lassen und wieder ein anderer scheint das PR-Konzept für Äneas Humm bereits ausgetüftelt zu haben. Der Sänger selber verrät im Vorwort zu seinem Bachelor-Konzert, dass er das Singen nicht wegen des Rampenlichts genieße, sondern dass es ihm allein um die Musik, die Komponisten, die großen Meister ginge – und um die Möglichkeit der Kommunikation. Und die beherrscht Hmmm auch in seinen kleinen Lied-Erklärungen. Humm weiß, was man sagt, und er scheint auch seinen Marktwert zu kennen. Tatsächlich lässt sich einer wie er sicherlich irgendwann prächtig vermitteln und an große Häuser bringen – auf die Bühne und ins Rampenlicht. Seine Stimme ist beachtlich: Volltönend, erzählerisch, ausdauernd, auch der anspruchsvollen Technik des Repertoires meistens gewachsen. Aber er ist noch lange nicht fertig, nicht ausgereift. Die Entspannung in der Tiefe die Leichtigkeit der Höhe, vor allen Dingen aber die Sicherheit bei der Gestaltung, die letzte Freiheit von den Noten, das Schweben über den Dingen – all das ist im Ansatz zwar zu hören, aber eben auch, dass es auf den weiteren Schliff, auf die natürliche Reife, auf die nötige Selbstverständlichkeit wartet. Der Bariton von Äneas Humm ist bei seinem Bachelor-Konzert tatsächlich eine Entdeckung. Aber es gab an diesem Abend auch eine ganz andere Erkenntnis: Es gibt viele Menschen – einige Lehrer, selbsternannte Förderer, aber auch im Tagesgeschäft stehende Manager –, die beim jungen Schweizer nicht nur eine außerordentliche Stimme wahrnehmen, die es behutsam zu fördern gilt, sondern die bereits ein Geschäftsmodell aus Ruhm, Ehre, Glanz und Kohle im Kopf haben. Das Zeitalter der Extreme Ich habe allerhand Stimmen gehört, die nicht schlechter als die von Äneas Humm waren. Junge Sängerinnen und Sänger, die in München, in Hamburg oder in Linz studieren. Stimmen, die allerdings noch nicht als „Geheimtipp“ gehandelt werden. Junge Musiker, die auch am Ende ihres Studiums noch nicht wissen, wie es eigentlich weitergeht. Die zwar die ein oder andere CD bei kleinen Labels aufgenommen haben, die Bewerbungen schreiben – direkt an Stadttheater oder an Agenturen. Und: die nicht einmal eine Antwort bekommen. Das Phänomen zwischen Hype und Nicht-Wahrnehmung ist keines, das nur am Anfang von Karrieren steht. Es ist auch bei etwas älteren Sängern zu beobachten. Der Markt konzentriert sich auf eine Hand voll (lassen wir es zwei Hände voll sein) Superstars. Um sie dreht sich der Klassik-Zirkus. Sänger in Oldenburg, in Wiesbaden, in Halle oder in Dresden mit mindestens ebenso guten Stimmen, werden inzwischen weitgehend vergessen: Von anderen Intendanten, von der Plattenindustrie und von uns Kritikern. Warum ist das so? Sind unsere Intendanten, unsere Dramaturgen, unsere Plattenfirmen einfach zu faul geworden? Die Wahrheit ist: Wahrscheinlich schon! Bis auf die ganz großen Häuser und Firmen hat kaum noch ein Haus „Späher“, Menschen, deren Aufgabe es ist, tagtäglich in kleineren Häusern zu sitzen, die Ohren aufzusperren und nach vielversprechenden Stimmen Ausschau zu halten. Wenn an einem Stadttheater die die Stimme in einem bestimmten Stimmfach fehlt, lassen sich der Intendant oder der GMD gern von ihrer eigenen Agentur drei oder vier Sänger schicken, von denen sie dann einen einstellen. Und, ja, selbst die Journalisten, die einst für überregionale Zeitungen in vielen, auch kleineren Häusern saßen, kommen heute kaum noch raus: Kaum ein Blatt berichtet noch über Premieren in Osnabrück, Bremerhaven, Nürnberg oder Essen, wenn nicht zufällig gerade eine Skandal-Regie auf dem Programm steht. Warum hören wir nicht mehr hin? Das Stadttheater, das vor 15 Jahren noch der logische Schritt nach dem Studium war, ein Ort, an dem man weiter ausgebildet, mit der Praxis vertraut wurde, dass „der Lappen“sich jeden Abend heben muss, an dem sich ein GMD um einen Sänger und sein Repertoire gekümmert hat– all das ist Vergangenheit. Vergangen auch, dass die großen Rollen aus dem Haus besetzt wurden, dass eine Traviata, ein Lohengrin oder eine Turandot Traumziele nach dem Studium waren. Heute werden diese Rollen oft nur noch von Gästen gesungen. Zusammengefasst könnte man sagen: Weder die Intendanten noch die GMDs und auch nicht die Journalisten haben derzeit den Mut, die Zeit und die Muße, Stimmen zu entdecken und zu fördern, bis sie wirklich langfristig auf dem freien Mark bestehen können. Eine der letzten Ausnahmen dieser Regel war sicherlich Jonas Kaufmann, der in Saarbrücken sang, bevor seine internationale Karriere begann. Sicher ist, dass das alte System der Gesangsausbildung, die an der Hochschule beginnt und am Stadttheater fortgesetzt wird, schon lange nicht mehr existiert. Der logische Weg für gute Sänger von den Hochschulen an die Stadttheater, vielleicht weiter zu einem größeren Stadttheater und dann in die freie Karriere, ist ein Auslaufmodell (Ausnahmen sind einige durchaus gute Opernstudios). All das hat verehrende Konsequenzen: Junge Sänger müssen heute nicht nur gut singen, sie müssen tatsächlich schon sehr früh (vielleicht zu früh!) Verantwortung für ihre Karrieren übernehmen. Entweder, indem sie nicht müde werden, immer wieder neue Bewerbungen zu schreiben oder sich durch kleine Aufführungs-Projekte, eigenes Marketing oder unbeirrbares Weitermachen ein bisschen Aufmerksamkeit zu erkämpfen. Oder aber sie müssen, wenn sie plötzlich zu einem „Geheimtipp“ werden, höllisch aufpassen, dass sie den Verlockungen – oft auch von erfahrenen Stimm-Managern – nicht erliegen. Mehr Lust auf Abenteuer, bitte! Äneas Humm scheint derzeit alles richtig zu machen. Er wird nach dem Sommer erst einmal nach New York verschwinden. Dort wird er sicherlich nicht mehr „in einer eigenen Liga“ singen, so wie in Bremen. Dort wird die Welt noch größer für ihn werden, dort wird er ganz oben in der Spitze dabei sein, dort wird er seine alten Freunde aus Bremen, die es all zu gut mit ihm meinen, dann nicht mehr unbedingt brauchen. Seine Lehrerin an der Juilliard School wird schon auf ihn aufpassen – und wir werden, wenn alles gut geht, in drei, vier oder fünf Jahren wieder von ihm hören. Das aber ändert nichts an dem System, mit dem wir es inzwischen zu tun haben: Vielen Opernschaffenden fehlt es schlichtweg an Zeit, Raum und an Mitteln, neugierig zu bleiben, auf Entdeckungsreise zu gehen und gemeinsam mit Sängern mittelfristig an einem gemeinsamen Weg zu arbeiten. Die Last wird den Lehrern und vor allen Dingen den Sängern selber übertragen. Das Absurde ist, dass diese neue Welt des Nachwuchses leicht in unterschiedlichen Extremen endet: Entweder ein „Geheimtipp“ wird von so vielen Beratern, Häusern, Agenturen und Gönnern umgarnt, dass er schnell überfordert wird, oder viele große Stimmen werden schlichtweg gar nicht erst wahrgenommen. Ein Mittelweg wäre icherlich wünschenswert. Weil er auch die Vielfalt erweitert, die Neugier, das Spektrum und den Entdeckerwillen des Publikums. Es ist an der Zeit, dass wir das wieder erkennen, um durch Neugier und Engagement gegenzusteuern.



ouverture

15. April

Neukomm: Requiem à la mémoire de Louis XVI (Alpha)

Als der Wiener Kongress 1814/15 über die Neuordnung Europas nach der Niederlage Napoleons beriet, gedachten die Beteiligten mit einer feierlichen Messe auch des Königs Ludwig XVI., der 1793 in Paris guillotiniert worden war. Die Musik für dieses Totengedenken lieferte Sigismund Ritter von Neukomm (1778 bis 1858), der Hauskomponist Talleyrands.  Es ist erstaunlich, aber dieser Musiker ist heute nahezu vergessen. Dabei war er zu Lebzeiten auf drei Kontinenten tätig, und enorm erfolgreich. Sigismund Neukomm, der Sohn eines Salzburger Lehrers, war ein Wunderkind. Im zarten Alter von vier Jahren soll er bereits fließend gelesen haben; wenig später begann seine musikalische Ausbildung. So erlernte der Knabe das Orgelspiel beim Domorganisten Franz Xaver Weissager. Er musizierte zudem auf Streich- und Blasinstrumenten, und erhielt Unterricht in Harmonielehre bei Michael Haydn.  Als er 16 Jahre alt war, wurde Neukomm Titularorganist der Salzburger Universitätskirche; außerdem war er als Korrepetitor am Theater tätig. 1797 ging er schließlich mit einer Empfehlung seines Lehrers Michael Haydn nach Wien, wo er erst Schüler und bald auch Mitarbeiter Joseph Haydns wurde. Für diesen erstellte er beispielsweise die Klavierauszüge der Oratorien Die Schöpfung und Die Jahreszeiten.  Außerdem unterrichtete Neukomm; seine wohl bekanntesten Schüler waren Franz Xaver Wolfgang und Carl Thomas Mozart. Das Werk von Wolfgang Amadeus Mozart schätzte Neukomm übrigens sehr – und nach dem Tode Joseph Haydns 1809 stiftete er diesem den Grabstein.  Der Musiker war ausgesprochen reisefreudig. Er wirkte als Kapellmeister in St. Petersburg und in Rio de Janeiro; wenn er nicht unterwegs war, dann lebte er zumeist in Paris. Im Laufe seines langen Lebens schuf Neukomm unglaublich viele Musikstücke, von der Oper bis zum Klavierkonzert und vom Lied bis zum Oratorium. Sein ebenso umfangreiches wie qualitätvolles Lebenswerk ist im Konzertsaal allerdings derzeit faktisch nicht präsent. Die französische Nationalbibliothek besitzt etwa 2.000 Manuskripte des Komponisten, doch dieser Bestand soll bislang schlecht erschlossen sein. Noteneditionen sind rar.  Umso mehr freut diese Einspielung der Trauermusik, die einst in Wien zum Gedenken an den hingerichteten König von Frankreich erklungen ist. Neukomms Musik ist imposant, und dabei ausgesprochen nobel und elegant. Jean-Claude Malgoire hat diese Trauerklänge mit dem Ensemble La Grande Écurie et la Chambre du Roy sowie dem Chœur de Chambre de Namur würdig eingespielt. Clémence Tilquin, Yasmina Favre, Robert Getchell und Alain Buet sind in den Solopartien zu hören. Musiziert wird voll Respekt, sehr gekonnt und historisch authentisch – so erklingen beispielsweise eine Ophicleide, ein auch von Mendelssohn, Berlioz, Verdi und Wagner verwendetes Blechblasinstrument, das später im Orchester durch die Tuba ersetzt wurde, und ein Tamtam, ein großer Gong unbe- stimmter Tonhöhe, der aus Ostasien stammt und in Frankreich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gezielt als Effektinstrument bei Trauermusiken eingesetzt wurde.  Neukomms Trauermusik ist ein Werk mit einer einzigartigen Aura. Dieses Requiem, das der Komponist ursprünglich zu Ehren seiner Lehrer, der Gebrüder Haydn und des Organisten Weissager, zu Papier gebracht hatte, gehört für mich zu den schönsten Werken der Funeralmusik überhaupt. Was für eine Entdeckung! 

Felix Mendelssohn
(1809 – 1847)

Felix Mendelssohn (3. Februar 1809 - 4. November 1847) war ein deutscher Komponist, Pianist und Organist. Er gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik, weltweit erster Dirigent in heutiger Funktion und Gestalt, Gründer der ersten Musikhochschule in Deutschland und „Apostel“ der Werke Händels und J. S. Bachs.



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